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Warum lässt Gott Leid zu?

Herausgegeben von K. Zellweger in Schwer zu verstehen?! - Leid · 24/11/2010 10:48:44

Warum lässt Gott das zu?
Auszüge aus dem vergriffenen Taschenbuch von A.E. Wilder-Smith
Das ganze Buch kann als PDF unter www.clv.de heruntergeldaden werden.

Wohin wir unseren Blick auch wenden, müssen wir zugeben, dass die Schöpfung, wenigstens vom Standpunkt der Liebe aus betrachtet, den Versuch wert war.



1) Einleitung ins Thema
S. 10  Aus einem Gespräch mit einem Atheisten: »Wenn Gott allmächtig und gut wäre, würde er den so genannten Teufel sofort ausschalten, und er käme überhaupt nicht als Ursache des Bösen in Frage. Und wenn Gott, was den Teufel anbetrifft, nicht allmächtig wäre und seine Wirksamkeit nicht verhindern könnte, müsste der Teufel auch ein Gott sein, und dann kämen wir schließlich zu den primitiven - Ideen von Göttern im Himmel, die sich gegenseitig bekriegen Ideen, die natürlich durch den intellektuellen Fortschritt schon vor Jahrhunderten aufgegeben wurden.«
»Ich sagte früher oft«, fuhr er mit Nachdruck fort, »dass ich ein Agnostiker sei und deshalb über diese Dinge überhaupt nichts Sicheres wisse. Aber jetzt, nachdem ich älter geworden bin, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich in Wirklichkeit ein Atheist bin. Ich glaube überhaupt nicht an einen Gott, er sei gut oder böse. Solch ein Glaube bringt mehr Schwierigkeiten, als er wegnimmt, und macht die Dinge eben noch komplizierter. Heutzutage klammere ich all diese Dinge aus meinem Denken ganz aus. Ich habe es nicht nötig, meinen Verstand noch länger damit verdunkeln zu lassen. Dazu kommt noch, dass ich nicht einsehe, wie irgendein intelligenter, ehrenwerter Mensch anders glauben könnte als ich.«

Ist das nicht ganz genau der Standpunkt vieler denkender Menschen heutzutage? Warum bringt Gott nicht all dieses Chaos zum Stillstand, all diese Kriege, all den Betrug, die Ungerechtigkeiten, das Elend und die Krankheiten in der Welt? Es ist so, wie mir vor Jahren ein Student sagte:
»Wenn Sie wollen, dass ich an Ihren Gott glauben soll, erwarte ich zuallererst, dass er eine bessere Welt erschafft!«

S. 11 Falls Gott uns Menschen liebt, wie uns die Bibel versichert, warum lässt er nicht all das Elend verschwinden und bringt alles anständig in Ordnung? Weil er sich nicht mehr um uns kümmert? Wenn er uns vergessen hat und nicht mehr für uns sorgt, warum sollen wir uns um ihn kümmern? Wenn er allmächtig wäre, könnte er natürlich alles sofort ändern.
Wir sollten uns nicht verleiten lassen zu denken, dass solche Fragen besonders modern seien und dass wir sehr fortschrittliche Denker seien, wenn wir so fragen. Als nach dem Sündenfall (1. Mose Kp. 3)  Disteln und Dornen aus der Erde emporwuchsen, hätten Adam und Eva leicht dieselben Fragen stellen können. Warum ließ Gott all dieses zu? Liebt er uns nicht mehr und sorgt er nicht mehr für uns? Hiob stellte dieselbe Frage, als das Unheil über ihn und seine Familie hereinbrach. Er ist Gott, er hätte es verhindern können, wenn er gewollt hätte. Denn sicher muss er allmächtig sein, weil er Gott ist, und muss es deshalb können. Wollte er es noch? Sorgte er noch für Hiob? Wenn nicht, warum sollte Hiob sich dann so lange um ihn kümmern und ihm dienen?
»Warum soll man trotz aller gegenteiligen Beweise an einen guten Gott glauben und ihm vertrauen?«

S. 14 Bevor wir fortfahren, lasst uns fragen, was die Bibel über den Stand dieser Dinge lehrt. Das erste Kapitel des Römerbriefes lehrt vollständig klar und kompromisslos, dass die Schöpfung überhaupt keine Widersprüche enthält, und gibt uns nur eine einzige Vorstellung von Gott, nämlich dass er ein herrlicher, allmächtiger Schöpfer-Gott ist und dass sein Universum nur seinen Ruhm verkündet. »Denn, was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, so dass sie keine Entschuldigung haben« (Röm. 1,19.20).

Demnach lehrt also die Bibel, dass ein Mensch, der das Weltall betrachtet und nicht gleichzeitig die ewige Macht der herrlichen Gottheit sieht, der, wenn er das Sichtbare sieht, keine Rückschlüsse auf das Unsichtbare zieht, ohne Entschuldigung ist.
Ja, die Bibel geht in dieser Richtung noch einen Schritt weiter, indem sie in demselben Kapitel (Röm. 1,21)
dass ein Mensch, der Gott durch seine so herrlich geschaf¬fene Welt sieht und ihm nicht dafür dankt und ihn preist, überwältigt von den Wundern, die des Schöpfers Weisheit offenbaren, dass ein solcher Mensch seine Gedanken dem Nichtigen zuwendet und dass sein unverständiges Herz verfinstert wird. Das heißt, wenn ein Mensch das Weltall betrachtet und nicht von selbst vor Dank zu Gott überfließt und ein Gottesverehrer wird, dann wird dieser Mensch im Laufe der Zeit unfähig, seine höheren Fähigkeiten, wie etwa sein Denken, auf rechte Weise zu gebrauchen. Außerdem wird sein »Herz« verfinstert, d. h. seine Sittlichkeit wird abgestumpft.

S. 15 Zusammenfassend können wir sagen, dass die Bibel nicht viel Sympathie für den Menschen zeigt, der solche intellektuellen Schwierigkeiten, an Gott zu glauben, hat, wie sie oben erörtert wurden. Nach ihrem Maßstab sollte ein Blick auf das Universum für jeden Menschen von durchschnittlicher Intelligenz genügen, um von der Existenz Gottes überzeugt zu werden, und sollte ferner dazu ausreichen, aus ihm einen eifrigen Gottesverehrer zu machen.
Es bleibt also die Frage, warum die Bibel diesen Stand¬punkt vertritt, obwohl es klar ersichtlich ist, dass denkende Menschen überall in der Welt durch den Blick ins Uni¬versum nicht zu Verehrern Gottes wurden, sondern im Gegenteil, dass sie auf intellektuelle Schwierigkeiten vieler Art stießen und sich sogar vielfach von Gott abwandten.

2) Der Ursprung des Bösen
S. 21 ff Aber entsprechen die oben genannten Schwierigkeiten den Tatsachen? Stehen denn dem Glauben an den Gott der Bibel wirklich unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege? Vielleicht kann ein persönliches Erlebnis diese Fragen besser klären als weitere theoretische Erörterungen. Vor dem Zweiten Weltkrieg besichtigte ich oft den Kölner Dom. Dieses schöne gotische Bauwerk bewunderte ich besonders, manchmal stundenlang, mit den anmutigen, emporstrebenden Pfeilern, dem prächtigen hochgewölbten Dach, den mittelalterlichen bunten Glasfenstern und der Orgel. Je mehr ich diesen Bau bewunderte, desto mehr bewunderte ich auch die Baumeister und Maurer, die im Laufe von Jahrhunderten diesen schönen Dom entwarfen und erbauten. Denn all diese anmutigen Linien waren offenbar sorgfältig von Experten entworfen worden, die nicht nur die mathematischen Grundlagen solch eines Baues kannten, sondern auch einen hohen Schönheitssinn besaßen. So zeigt die Struktur dieses Domes zweifellos etwas von dem Geist, der dahintersteckte. Sich vorzustellen, dass solch ein wohlbedachtes Gebäude so einfach entstanden wäre, ohne dem Geiste von Sachkennern entsprungen zu sein, hieße am eigenen Verstand zu zweifeln.
Während des Zweiten Weltkrieges war Köln das Ziel von vielleicht mehr schweren Luftangriffen als jede andere Stadt in Westeuropa, und da der Dom direkt am Rangierbahnhof steht, der regelmäßig und schwer bombardiert wurde, wurde er oft getroffen und viele Male schwer beschädigt.
Ich erinnere mich noch gut an die Enttäuschung, als ich den Dom im Herbst 1946 zum ersten Mal nach dem Kriege wieder sah. Die beiden berühmten Türme standen noch und ragten aus dem furchtbaren, unvorstellbaren Trümmerfeld empor. Außer dem Dom selbst war fast alles dem Erdboden gleichgemacht oder in Trümmer zerfallen. Von ferne sahen die Türme noch gut aus, aber wenn man sich ihnen näherte, sah man riesige Löcher in ihrem massiven Mauerwerk. Mehrere hundert Tonnen Beton und Ziegelsteine waren in ein Riesenloch hoch oben in einem Turm hineingebaut worden, um das Mauerwerk teilweise wieder zu ersetzen, das von einer Sprengbombe weggerissen worden war. Das Dach war in Trümmern, die Orgel zerstört, die Fenster herausgefallen, und überall lag knietief eine unbeschreibliche Masse von Trümmern, zerfetztem Holz, pulverisiertem Mauerwerk und riesigen Steinblöcken, die teilweise Bombenlöcher zudeckten.
Dieses chaotische Bild machte einen tiefen Eindruck auf mich, als ich an die frühere Schönheit und Ordnung dieses Fleckchens Erde dachte. Aber während diese Gedanken durch meinen Kopf gingen, kam doch ein Gedanke in mir auf - nie verband ich irgendwie das Trümmerfeld dieses einst so schönen Gebäudes mit der Unfähigkeit oder einer Absicht der Architekten oder Handwerker, die es erbaut hatten. Ebenso wenig begann ich an der Existenz dieser Baumeister zu zweifeln, weil ihr Werk nun vor meinen Augen in Trümmern lag. Man hätte wahrscheinlich lange Zeit angestrengt nachdenken müssen, um auf solch eine absurde Idee zu kommen. Fürwahr, selbst inmitten des allgemeinen Trümmerfeldes zeigten die Überreste, die auf die frühere Schönheit dieses Gebäudes hindeuteten, wie gut die Architekten alles geplant hatten.
Sehr wahrscheinlich würde niemand die Architekten beschuldigen, eine Ruine gebaut zu haben. Ganz offenbar war der Dom nie als eine solche geplant. Dies würde auch nicht zu der Tatsache passen, dass er jetzt eine Ruine ist. Es war im Allgemeinen leicht, zwischen dem zu unterscheiden, was Ruine und was geplant war.
Der zerbombte Dom erinnert mich oft an den Zustand der Schöpfung, wie wir sie heute sehen, wahrlich ein gemischtes Bild, ein Durcheinander von Ordnung und Chaos, Schönheit und Hässlichkeit, Liebe und Hass, alles unentwirrbar miteinander verzahnt. Aber an diesem Punkt sei daran erinnert, wie unlogisch es wäre, automatisch daraus zu folgern:
1.\tdeshalb stehe hinter dem Gebäude der Schöpfung kein Geist, kein Schöpfer. Und doch ist genau dies die Einstellung eines Atheisten. Ein Atheist sagt, er sehe nichts als Widersprüche in der Natur, und er schließe deshalb den für ihn verwirrend wirkenden Gottesbegriff ganz aus seiner Gedankenwelt aus;
2.\tdeshalb könnte man keinerlei charakteristische Merkmale des hinter der Natur stehenden Geistes erkennen. Im Allgemeinen ist es ziemlich leicht, zwischen dem Plan und der dazwischengetretenen Unordnung zu unterscheiden, auch in der Natur. In einem Trümmerfeld erkennt man oft die wirklichen Absichten des dahinterstehenden Erbauers noch besser als in dem unbeschädigten Gebäude.
Der »Schaden« in der Schöpfung bringt oft die charakteristischen Eigenschaften des dahinterstehenden Geistes besser ans Tageslicht als ihr ursprünglicher Zustand.
Und doch behaupten die Atheisten und Agnostiker, dass man durch den Blick ins Weltall nichts über den Geist des Schöpfers erfahren könne, angeblich größtenteils wegen des aus Gut und Böse, Ordnung und Unordnung bestehenden Bildes, das das Universum darstellt. Aber dass diese Einstellung unlogisch ist, tritt deutlich zutage. Römer Kp.1 lehrt auch die Unhaltbarkeit dieser These. Ja, die Bibel lehrt in demselben Kapitel, dass Krankheit, Tod, Hass und Hässlichkeit äußere Zeichen eines Zustandes der »Unordnung« sind, und dass sie sich ziemlich leicht von Gesundheit, Leben, Liebe und Schönheit, dem ursprünglichen, unbeschädigten Zustand unterscheiden lassen.
Also ist die Lehre von Römer Kp. 1, dass die Schöpfung, sogar die gefallene oder »zerstörte« Schöpfung, genug von Gott offenbart, um jeden ehrlich denkenden Menschen zu Dank und Anbetung zu veranlassen, zweifellos nicht unlogisch, sondern vielmehr eine wahre Darstellung der gegebenen Tatsachen.
(Anmerkung K. Zellweger) Wenn jemand mit der Frage: „Warum gibt es Leid“, Gott und den Glauben an ihn hinterfragt, was man darf, so frage ich zurück, ob er/sie ein Auge hat für die Schönheit und Genialität der Schöpfung. Diese „Warum-Frage“ gehört zur Leidfrage dazu.)

3) Warum lässt Gott das Böse zu?
S. 30ff Natürlich sind alle Veranschaulichungen und Gleichnisse in der Art, wie sie bisher gebracht wurden, unvollständig, und unser Dom ist keine Ausnahme. Eine Unvollständigkeit in unserer Darstellung liegt natürlich darin, dass die Erbauer des Doms seit langem tot sind und nicht die Bombardierung ihres Meisterwerks verhindern konnten. Gott ist nicht tot, wie wir voraussetzen. Deshalb taucht jetzt die Frage auf, warum ein allmächtiger Gott, der, wie wir annehmen, sein Meisterwerk, die Schöpfung, liebt, nicht die »Bombardierung« seines Meisterwerkes verhindern konnte? Hier kann uns natürlich unser Gleichnis vom Kölner Dom nicht mehr helfen.
Fragen dieser Art (»Warum gebietet Gott diesem nicht Einhalt?«) tauchen gewöhnlich dann auf, wenn der Fragende sich nicht die Mühe gemacht hat, genau zu überlegen, wie die Liebe oder irgendeine Tugend überhaupt beschaffen ist. Wenn man genau überlegt, was die Liebe oder irgendeine andere Tugend ist, löst sich dieses Problem meist ganz schnell von selbst, und zwar auf eine Weise, die den Verstand durchaus zufrieden stellt. Deshalb wollen wir uns sogleich als Einleitung folgende Frage zu dem Problem stellen, das wir nun betrachten wollen: Was ist das Wesen der Liebe im Besonderen und der Tugend im Allgemeinen?
Natürlich können wir hier nicht umfassend und lückenlos über Gottes Liebe sprechen, denn Gott ist unendlich, und alles Unendliche liegt jenseits unseres Denkens. Deshalb beabsichtige ich hier nicht, auf das Wesen der Liebe oder der Tugend im Allgemeinen vom göttlichen oder menschlichen Standpunkt aus in erschöpfender Weise einzugehen, sondern wir wollen diese Frage nur insoweit betrachten, als sie unser Hauptproblem betrifft.

S. 37 …um wirklich lieben zu können, muss echte Freiheit zum Lieben vorhanden sein, was natürlich auch das Gegenteil mit einschließt, d. h. die echte Freiheit, nicht zu lieben. Damit die Möglichkeit für eine wirkliche Liebe gegeben ist, muss die absolute Freiheit zum Lieben oder Nichtlieben garantiert sein. Eine wirklich freie Wahl zum Lieben oder Nichtlieben ist überhaupt die Voraussetzung für eine wahre Liebe.
Die Bibel lehrt, dass Gott selbst Liebe ist. Weil er selbst Liebe ist, sucht er Gegenliebe, reine, warme, echte Liebe unsererseits; denn die Liebe wird nur zufrieden gestellt, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht, wenn sie erwidert wird. Er, wie ein Bräutigam, umwirbt uns und möchte die Gegenliebe seiner Braut, der Menschen auf Erden, gewinnen. Er kann uns eine solche Liebe nicht aufdrängen oder aufzwingen. Schon der bloße Versuch, sie mit Gewalt zu gewinnen, würde die ganze Grundlage der Liebe zerstören. Als unser wahrer Freund tut er alles, um uns die Echtheit seiner Liebe zu beweisen. Er geht darin so weit, dass er in Jesus Christus auf die Erde kommt und  Mensch wird. Hier nimmt er freiwillig den Tod auf sich, um uns von Schuld und Sündenketten freizumachen. Größere Liebe hat niemand als der, der sein Leben für seinen Freund lässt. Jesus Christus tut in seinem Werben um die Liebe der Menschen noch mehr als dies. Er lässt sein Leben für seine Feinde und führt uns so die allergrößte Liebe vor Augen, deren ein Mensch überhaupt fähig ist. All dies kann nur teilweise dargestellt werden durch den Vergleich der Liebeswerbung des Bräutigams um die Braut.

S.38 Nun überlege einmal einen wichtigen Punkt in Form einer Frage. Was würde geschehen, wenn Gott den Menschen so geschaffen hätte, dass er keine eigene sittliche Entscheidung treffen, sondern nur automatisch Gottes Willen tun könnte, geradeso, wie wenn sich ein Schloss öffnet, wenn man den richtigen Schlüssel hineinsteckt? Oder geradeso, wie ein Verkaufsautomat einen Riegel Schokolade liefert, wenn man den richtigen Geldbetrag hineinsteckt? Wenn der Mensch so beschaffen wäre, dass er Liebe gäbe, wenn Gott den richtigen Knopf drückte, wäre das dann tatsächlich Liebe? Kann ein solches System, in dem man dazu geschaffen ist, eine Tugend irgendwelcher Art zwangsweise hervorzubringen, überhaupt eine Tugend erzeugen? Angenommen, Gott würde, um unserer Liebe ganz sicher zu sein, uns die Entscheidungsfreiheit zum Lieben oder Nichtlieben wegnehmen und uns tatsächlich wie einen Automaten erschaffen. Er würde auf den Knopf drücken, und wir würden ihm unsere »Liebe« als die selbstverständlichste Sache der Welt entgegenbringen. Könnte man erwarten, dass solch ein Geschöpf überhaupt auf irgendeine Weise wirkliche Liebe besäße? Um unserer Liebe sicher zu sein, muss Gott uns die freie Willensentscheidung zum Lieben oder Nichtlieben, unserem Wunsch gemäß, gestatten; dies liegt notwendigerweise dem Wesen der Liebe und in der Tat auch jeder anderen Tugend zugrunde.

Deshalb schließt die Absicht Gottes, wahre Liebe zu wecken, stets das Risiko ein, dass der Gegenstand der Liebe seinerseits überhaupt nicht liebt. Gott wollte und will auch heute noch ein Reich der Liebe auf Erden und im Himmel errichten. Aber wenn er das tut, muss er das oben erwähnte Risiko mit in Kauf nehmen. Es liegt im Wesen des Guten, der Liebe und der Tugend, dass das Werben um Liebe ein Wagnis ist, dass die Liebe nicht erwidert zu werden braucht, dass derjenige, bei dem Gott Liebe erwecken möchte, seine Liebe nicht erwidert. Deshalb schieben gewöhnlich gerade die Menschen, die nicht viel über, das Wesen der Liebe und der Tugend nachgedacht haben, Gott so gern die Rolle des Diktators zu und meinen, er würde auch in unseren Tagen brutale Gewalt ausüben.

S. 44 Als Gott die himmlische Welt und die Engel erschuf, wollte er damit das Allerbeste erschaffen und gründete deshalb ein Reich der Liebe und der Tugend. Aber um dies zu verwirklichen, musste er den Einwohnern echte Freiheit garantieren, was er auch tat. Die Engel und ihr Oberster, Luzifer, erhielten einen Charakter, der sie zu echter Liebe zu ihrem Schöpfer und ihren Gefährten befähigte. Sie hatten damit die Möglichkeit, echte Liebe auszuüben, um Liebe zu werben und mit Liebe umworben zu werden, was natürlich auch die entsprechenden entgegengesetzten Möglichkeiten mit einschließt, die Möglichkeit, all dies abzulehnen. Die Bibel berichtet es als eine Tatsache, dass ein großer Teil der Engel ihrem Obersten Luzifer folgte, als er sich in Willensfreiheit entschloss, nicht zu lieben und dem Liebeswerben des Schöpfers den Rücken zu kehren. Dadurch, dass sie sich ihm, dem einigen und alleinigen Gott, verschlossen, wurden sie natürlich böse, lieblos und fielen dem Verdammungsurteil anheim.
Also zeigt das bloße Vorhandensein des Bösen in einer Welt, die von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde, dass das Gute und die Tugend an sich wirklich echt sind, und dass die Liebe an sich wirklich Liebe ist und nichts anderes wie manchmal gelehrt wird (»Liebe ist eine versteckte Form des Egoismus«). Das bloße Vorhandensein des Bösen in der Welt eines allmächtigen Gottes ist in der Tat ein guter Beweis, dass Gott wirklich Liebe ist. (Anmerkung: Lies nochmals in der Einleitung den Hinweis zu Röm. Kp.1)

Nachdem Luzifer, der Oberste der Engel, sich für das Böse entschieden hatte, wollte er missionarisch tätig sein und suchte Gefährten für sich zu gewinnen, indem er andere dazu veranlasste, denselben Weg einzuschlagen. Deshalb ging er zu Adam und Eva (Anmerkung: Lies nach in 1. Mose Kp. 3), die auch mit einem zur Liebe fähigen Charakter erschaffen worden waren und deshalb frei wählen konnten. Es ergab sich, dass auch sie eine falsche Wahl trafen. Weil sie dem alleinigen Gott den Rücken kehrten, wurden sie böse und brachten Sünde und Leid in die Schöpfung hinein. Aber zeigt dies nicht alles, wie hoch Gott die Menschen achtet? Er nimmt unsere Entscheidungen, uns selbst und unsere Liebe wirklich ernst, ernst genug, um darum zu werben, was wiederum das Wesen seiner Liebe offenbart. Denn wahre Liebe achtet und respektiert immer den Partner, um den sie wirbt.
Aber Gottes Ziel ist es, unser Vertrauen und unsere Liebe zu gewinnen. Deshalb verwendet er die natürlichsten Mittel, die verfügbar sind, damit diejenigen, die er zu gewinnen sucht, völlige Entscheidungsfreiheit haben und nicht durch Machtdemonstrationen eingeschüchtert werden, welches die Mittel eines Diktators und nicht eines Liebenden wären. Deshalb wendet er im Allgemeinen keine Methode an, die die Menschen dazu zwingen würde, seine Liebe anzunehmen; denn man kann niemanden zu der Liebe zwingen, die von Gott gesucht wird.

Zusammenfassend können wir sagen, dass Gott es zuließ, dass das Universum »bombardiert« wurde (um unseren früheren bildlichen Ausdruck zu gebrauchen), weil der Plan für eine Welt, die echter Liebe und Tugend fähig ist, dieses Risiko mit einschließt; der Plan, ein Reich der Liebe, ein Reich der völligen Freiheit zu errichten. Ohne diese Möglichkeit freier Willensentscheidung kann man eben gerade das Beste überhaupt nicht erreichen.


4) Was nun?
S. 47ff Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass Gott in seiner Allwissenheit natürlich schon über alles Bescheid wusste, sogar bevor der Mensch und die Engel die falsche Wahl getroffen hatten, und dass er für diesen Fall sogar schon sorgfältige Vorkehrungen getroffen hatte. Diese Tatsache, dass Gott den Sündenfall deutlich vorausgesehen hatte, lange bevor er stattfand, ist für viele zu einem Stein des Anstoßes geworden. In Wirklichkeit aber sind hier nur wenig intellektuelle Schwierigkeiten, wenn man die Sache sorgfältig betrachtet.

Ein Beispiel: Meine Fähigkeit, das vorauszusagen, was jemand tun wird, macht mich keineswegs für sein Tun verantwortlich, warum auch? Ebenso macht die Tatsache, dass Gott voraussehen konnte, was Adam und Eva und das Menschengeschlecht überhaupt tun würden, ihn nicht notwendigerweise dafür verantwortlich, besonders darum nicht, weil er ihnen ausdrücklich den freien Willen (Anmerkung: echte Lieben) gegeben hat. Gott sah den Sündenfall der Engel und der Menschen voraus und war sogar schon vor der Erschaffung der Welt dazu bereit, seinen Sohn Jesus Christus als ein Opfer (Anmerkung: Sein Kreuzestod) für die Sünde zu senden.
Jedoch meinen viele, dass dieses Vorherwissen Gott notwendigerweise in die Schuld des Sündenfalles mit hineinverwickeln muss. Wie wir sahen, macht ihn jedoch das Vorherwissen keineswegs für den Sündenfall verantwortlich, und doch bilden viele es sich ein. Ganz im Gegenteil, die echte Möglichkeit der freien Willensentscheidung, die er uns verliehen hat, damit wir lieben und uns in wahrer Tugend üben können, entscheidet, dass die Geschöpfe schuldig sind und der Schöpfer unschuldig ist.

Viele werden sich an dieser Stelle fragen, warum erschuf denn Gott überhaupt die Engel, den Menschen und die Welt, obwohl er das Chaos voraussah, das der Möglichkeit zur freien Willensentscheidung folgen würde, wo er doch all den Hass, das Elend und den Kummer voraussah? War das nicht ziemlich schadenfroh, so zu handeln, wo er die Folgen kannte? Wäre es nicht besser gewesen, dies alles ungeschehen sein zu lassen angesichts dieses kommenden Unheils? Im Prinzip erheben sich dieselben Fragen in der Ehe. Bei der Trauung wissen wir, dass wir einmal den Schmerz der Trennung durch den Tod erleben werden. Deshalb heißt es ja bei der kirchlichen Trauung auch: »… bis der Tod euch scheidet«
Und doch nehmen wir all diesen Kummer und das Herzeleid auf uns, von dem wir wissen, dass es kommen wird, weil wir glauben, dass die Freude der Liebe und die Bereicherung des Lebens, die dadurch entsteht, dass wir uns dem Geliebten zur Verfügung stellen, sei es auch nur für einen Tag (und vierzig oder fünfzig Jahre gehen dahin wie ein Tag), besser ist als überhaupt keine Liebe. Die Liebe in der Art, wie Gott sie will, bereichert den Charakter und veredelt die Seele; sie entschädigt uns in überreichem Maße für die Versuchungen, denen wir gerade durch sie in Zukunft und Gegenwart ausgesetzt sind.

Wir stehen hier vor der Frage, was schwerer wiegt. Alle, die die Liebe kennen, werden immer sagen, dass die Liebe weit mehr ins Gewicht fällt als die Sorgen und Nöte, die sie mit sich bringt. Augenscheinlich denkt der Schöpfer, der die Liebe in Person ist, ebenso, denn er erschuf uns tatsächlich trotz allem und wagte den gewaltigen Versuch, weil er davon überzeugt war, dass die Wärme der Liebe die Bitterkeit des Leidens weit übertrifft. Liebe für einen Tag ist unendlich mehr wert als überhaupt keine Liebe, und wo Leben ist, ist Gelegenheit zur Liebe vorhanden. Außerdem währen Anfechtungen und Leid hier auf Erden nur eine kurze Zeit, während die Charakterveredlung derer, die durch Leiden vollkommen gemacht werden, ewig währt. Wohin wir unseren Blick auch wenden, müssen wir zugeben, dass die Schöpfung, wenigstens vom Standpunkt der Liebe aus betrachtet, den Versuch wert war.

Aber was kommt nun, nachdem der Sündenfall stattgefunden hat und die Sünde in die Welt gekommen ist? Was tut der Gott, der die Liebe in Person ist? Lasst uns die Frage auf eine andere Art stellen. Was tut ein rechter Liebhaber, der missverstanden und abgewiesen wurde? In der Bibel steht: »Die Liebe ist langmütig und freundlich … sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu … sie verträgt alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf« (1. Kor. 13,48).

Man erwartet von der wahren Liebe also Langmut, Freundlichkeit, nicht gereizt zu werden, alles ertragend in der Hoffnung, dass das Liebeswerben doch zuletzt mit Erfolg gekrönt wird. Gott sah die falsche Willensentscheidung, die Chaos und Verderben in die Welt brachte, lange voraus, und als es dann so weit war, brauste er nicht auf und vernichtete alles auf der Stelle, wie viele es erwartet hätten, die selber so handeln, wenn ihnen etwas Ungehöriges oder Unrechtes zustößt. Er versuchte viel mehr, durch seine liebevolle Geduld zu retten, was er aus dem furchtbaren Verderben retten konnte. Er hatte in Treue und mit großem Ernst Menschen und Engel vor den Folgen einer falschen Entscheidung gewarnt, aber er versperrte sich natürlich nicht selbst den Weg zu unseren Herzen, indem er versuchte, uns zurückzuzwingen. Dies hätte bedeutet, dass die Möglichkeit zu echter Liebe für immer ausgeschaltet worden wäre. Gott versuchte stets in Langmut und Geduld, uns wieder zur Liebe und zur Vernunft zu bringen. Dieser Versuch erreichte seinen Höhepunkt, als er seinen Sohn sandte, der freiwillig sein Leben für uns alle opferte. Denn der Sohn ging freiwillig und aus eigener Ent¬scheidung in den Tod. Er versuchte nicht einmal, sich zu verteidigen, sondern kam, wie er selbst sagte, um für die Sünde vieler zu sterben (Anmerkung: Lies Lukasevangelium Kp. 22+23).

Jetzt wartet er und wirbt um uns in der Hoffnung, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen: »Welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1. Tim. 2,4).

»Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten, sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre« (2. Petr. 3,9).
Das ist so gemeint, wie es dasteht, und schließt nicht notwendigerweise ein, dass sich tatsächlich alle Menschen zur Buße kehren werden. Gott aber ist bereit und willens, alle anzunehmen, die sich von ihren eigenen Wegen abwenden und sich zu ihm umwenden.

Dass Gott, bevor er die Übeltäter richtet, so lange wartet, nachdem sie das Werk seiner Hände ins Verderben stürzten, ist ein weiteres Zeichen seines wahren Charakters. Es beweist, dass er ein Gott der Liebe ist, voll liebender Freundlichkeit, Geduld und Langmut, der sich nicht leicht erbittern lässt. Das, ist die einzige Erklärung, die ich für die Tatsache geben kann, dass ein allmächtiger, allwissender und gerechter Gott nicht schon lange sein vernichtendes Urteil über alle Sünder, das heißt über alle Menschen (denn wir gehören alle in diese Kategorie »Sünder«, wenn wir gegen uns selbst und unsere Mitmenschen ehrlich sind) gesprochen hat, und einen »Marionettenstaat« auf Erden und im Himmel errichtete, der seinen Willen sofort in absolutem Gehorsam ausführt, so wie es jeder rechte Tyrann oder Diktator machen würde, wenn sich die Menschheit seinem Willen so widersetzt wie dem Willen Gottes.

Das Werben eines Königs
Von dem verstorbenen König Georg VI. und seiner Gemahlin, Königin Elisabeth, wird folgende Geschichte erzählt. Ich kann nicht für ihre Glaubwürdigkeit garantieren, lege sie aber auf eine solche Weise dar, dass der Punkt, den ich erörtern will, klar hervortritt.
Als junger Mann verliebte sich der spätere König von England in die hübsche Elisabeth von Schottland. Bald darauf ging er zu ihr und hielt um ihre Hand an. Aber sie wies ihn ab. Man sagt, dass der Prinz nicht der Mann war, der auf Frauen besondere Anziehung ausübte; er war in seinen Redewendungen und in seinem Auftreten wohl ein wenig ungeschickt.
Der junge Prinz Georg war zutiefst betrübt über diese Abweisung und ging zu seiner Mutter, der Königin Mary, um sich bei ihr einen Rat zu holen. Königin Mary hörte sich seine Geschichte voller Mitgefühl an, und als er fertig war, sagte sie, sie wolle ihm nur die eine Frage stellen, ob er Elisabeth wirklich liebe, oder ob eine andere ihm auch genügen würde. Nach kurzem Überlegen entgegnete der junge Prinz, dass er Elisabeth heiraten wolle und sonst niemand auf der ganzen Welt. Die Mutter antwortete darauf: »Dann gibt es für dich nur eins. Gehe wieder zu ihr hin und frage sie noch einmal!«
Also überwand der junge Prinz seinen Stolz, nahm allen Mut zusammen, den er noch hatte, und fragte die reizende junge Schottin noch einmal. Aber er erhielt wieder einen Korb. Nachdem er sich etwas von diesem Schock erholt hatte, fragte er seine Mutter nochmals um Rat, und sie hörte wiederum geduldig zu. Sie brachte ihm ihr ganzes Mitgefühl entgegen und fragte nochmals, ob er sie auch nach dieser zweiten Abweisung wirklich liebe. Es war ihm aber ganz klar, dass er nur sie unter all den zur Wahl stehenden Damen begehre und liebe. »In diesem Fall«, sagte die Mutter, »gibt es für dich nur eins. Gehe wieder zu ihr hin und frage sie noch einmal!«
Nach einiger Zeit der Vorbereitung ging der junge Prinz also zum dritten Mal zu der hübschen jungen Schottin. Sie merkte natürlich, wie ernst es der Prinz meinte, wie beständig seine Liebe war und dass sie sein ein und alles war. Und noch etwas merkte sie. Sie begann zu spüren, dass seine Liebe in ihrem Herzen eine Gegenliebe entfacht hatte, und die Glut dieser Liebe fing an, etwas von seiner Liebe zurückzustrahlen. Daher konnte sie sagen, dass sie ihn liebe und seine Frau werden wolle. Damit, so heißt es, begann ein sehr glückliches Familienleben, das bis zum Tode des Königs währte.
So kommt bei jeder Liebe einmal eine Zeit, wo man dem werbenden Teil, Gott, eine endgültige Antwort geben muß, die »ja« oder »nein« lauten kann.

5) Schlussfolgerung – Eine Welt ohne Leid wird kommen!
S. 58ff Wenn Gott tatsächlich Liebe ist und wenn er sich als vollkommener Mensch in Christus offenbart hat (was Christus unmissverständlich sagt), sollten wir bestimmt den jetzigen Zustand der Welt so erwarten, wie er ist, bis Gott alle diejenigen aus dem Verderben herausgerettet hat, die sich retten lassen, alle, die Buße tun und sich zu ihm wenden wollen, wodurch sie die Vergebung ihrer Sünden empfangen und zum Frieden kommen, der »höher ist als alle Vernunft«. Wenn jedoch das Rettungswerk so weit wie möglich vollendet ist, und alle diejenigen, die Gott aus dem alten, zerbombten Wrack herausretten kann, in Sicherheit gebracht worden sind (so ist die Mahnung des Apostels Petrus gemeint: »Lasset euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht« Apg. 2,40),
dann wird Gott, wie er es versprochen hat, den ganzen Dom, das ganze Werk seiner Schöpfung erneuern und es sogar noch besser machen, als es zu Adams Zeit und vorher war.

Gott wird eine neue Erde und einen neuen Himmel erschaffen, wo die Gerechtigkeit herrschen wird. Man kann doch kaum glauben, dass er seine eigene Schöpfung immer im Chaos ließe, nicht wahr? Er hat verheißen, dass er dies nicht tun wird. Gott sagt in seinem Wort, dass alle in dieser neuen Schöpfung mitregieren werden, die durch Buße erneuert und geläutert und durch die Liebe seines Geistes erwärmt und gereinigt worden sind und deshalb den gegenwärtigen, üblen Zustand der Welt nicht mehr lieben. Welche Weisheit darin liegt, solche Menschen an der Herrschaft über dieses vollkommene Reich teilhaben zu lassen, kann man ziemlich leicht einsehen. Sie haben schon einmal geschmeckt, wie bitter es ist, eine falsche Entscheidung getroffen und sich von dem einzigen Gott abgewendet zu haben. Man sagt, dass ein gebranntes Kind das Feuer scheut. So scheut auch der errettete Sünder die Sünde. Mit diesen erretteten Menschen wird Gott sein neues Reich bevölkern. Gegenwärtig wirbt er noch um solche Menschen, auch jetzt in diesem Augenblick.

Über die neue Schöpfung wird der Eine herrschen, der sich als der Geeignete für ein solch hohes Amt erwiesen hat. Könnte es einen besseren Beweis für seine Eignung zum Herrscher geben als die Tatsache, dass er seine Untertanen so sehr liebt, dass er bereit war, für sie zu sterben? Die meisten Herrscher verlangen von ihren Untertanen, dass sie ihre Treue durch ihre Bereitschaft zeigen, für ihren Herrscher zu sterben.
Bei Christus ist es gerade umgekehrt. Er starb aus eigenem, freiem Willen, damit seine Untertanen leben können. Gewiss wird ein solches Reich gut regiert und verwaltet werden. Gewiss werden seine Untertanen glücklich sein.

»Er hat uns kundgetan das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus; das, was in dem Himmel und das, was auf der Erde ist« (Epheserbrief. 1,9.10).

»Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und hörte eine große Stimme von dem Thron, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen« (Buch der Offenbarung. 21,14).






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