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Basisinformation zum Buch Rut

Herausgegeben von K.Zellweger in Rut Kp. 1-4 · 2/10/2010 20:40:17

Dies ist ein Auszug vom Buch "Basisinformation zur Bibel" von John MacArthur, CLV

Das Buch RUTH

Gottes internationale Familie
Das einzige Buch im Alten Testament, das den Namen eines Vorfahren Jesu trägt.


Allein schon der Titel dieses Buches weist einige sehr interessante Fakten auf:
1) Es ist das einzige Buch im Alten Testament, das nach einer nichtjüdischen Person benannt ist;
2) Nur zwei alttestamentliche Bücher werden mit Frauennamen bezeichnet – Ruth und Esther (beide spielten in den entsprechenden Büchern eine zentrale Rolle). »Ruth« stammt sehr wahrscheinlich von einem moabitischen und/oder hebr. Wort mit der Bedeutung »Freundschaft« ab. Die kurze Biografie ihres Lebens verdeutlicht, dass sie ihrem Namen alle Ehre machte.

Autor und Abfassungszeit
Wahrscheinlich von Samuel geschrieben ca. 1030 bis 1010 v. Chr. Das Buch Ruth selbst liefert keine hilfreichen Anhaltspunkte, wenn es darum geht, den Verfasser herauszufinden. Die alte jüdische Tradition schreibt die Verfasserschaft Samuel zu. In den abschließenden Versen des Buches wird David erwähnt, aber nicht Salomo, was darauf schließen lässt, dass das Buch kurz vor oder nach Samuels Tod verfasst wurde (Rt 4,17.22). Wer immer auch der Autor gewesen sein mag, er schuf ein literarisches Werk von bleibendem Wert.

Schlüsselpersonen im Buch Ruth
Ruth – Naomis Schwiegertochter; später mit Boas verheiratet; direkter Vorfahre Jesu (Kap. 1–4)
Naomi – Elimelechs Witwe und Schwiegermutter von Orpha und Ruth; sie unterwies Ruth sehr weise (Kap. 1–4)
Boas – wohlhabender Bauer, der Ruth, die Moabiterin, heiratete; direkter Vorfahre Jesu (Kap. 2–4)

Hintergrund und Umfeld
Das geographische Umfeld liefert den Hintergrund für die ganze Geschichte im Buch Ruth: die Stadt Bethlehem, im Süden von Jerusalem, nordwestlich von Moab, war gerade oberhalb des Toten Meeres gelegen. Zwischen Moab und Israel bestand eine alte, aber schmachvolle Verbindung. Die Moabiter waren die durch Inzest gezeugten Nachkommen von Abrahams Neffen Lot (1Mo 19,37). Die Beziehung zwischen den beiden Nationen war oft spannungsgeladen. Die Ereignisse im Buch Ruth scheinen sich zu einem Zeitpunkt relativen Friedens zwischen den beiden Völkern abgespielt zu haben. In der Hungersnot, die Gott benutzte, um Naomi und Elimelech nach Moab zu führen, erkennen wir ein von Gott eingesetztes Mittel, um sein widerspenstiges Volk zu züchtigen (1,1). Auch Konflikte mit fremden Nationen wurden von Gott zu diesem Zweck benutzt. Gemäß den Angaben im Buch Ruth fand dies alles zur Zeit der Richter statt (1,1). Im Buch Richter werden zwar keine
Hungersnöte erwähnt, aber das Geschlechtsregister Davids deutet an, dass Ruth sehr wahrscheinlich zur Zeit des Richters Jair lebte (Ri 10,3-5).

Schlüssellehren im Buch Ruth
Erlösung sowohl der Juden als auch der Heiden
(2,12; 1Sam 24,20; Ps 58,12; Apg 13,46; Röm 10,11-12; Gal 3,28; Eph 2,14)
Frauen sind Miterben der Rettergnade Gottes
(2,12; Apg 17,12; Gal 3,28)
Eigenschaften der tugendhaften Frau
(3,11; Spr 12,4; 31,10-31)
Davids Anrecht (und somit Christi Anrecht) auf den Thron Israels
(4,18-22; 1Mo 49,8-12; Mt 1,1-7; Lk 3,32)

Gottes Wesen im Buch Ruth
Gott ist souverän – 1,6; 4,13
Gott ist vorhersehend – 2,3

Christus im Buch Ruth
Boas ist ein Typus auf Christus und wird zum (Er)-Löser für Ruth, da er ihr
Blutsverwandter ist (siehe auch unter Schlüsselworte und Häufig auftauchende
Fragen). Diese Geschichte kündigt das Kommen Jesu als Erlöser aller Gläubigen an (1Pt 1,18-19).

Schlüsselworte im Buch Ruth
Sammeln: Hebräisch laqat – 2,2.7.15.17-19.23 – bedeutet »einsammeln« oder »aufheben«. Das Alte Testament zeigt uns Leute, die die verschiedensten Dinge gesammelt haben: Steine (1Mo 31,46), Geld (1Mo 47,14), Manna (2Mo 16,4-5.26) und sogar wertlose und unnütze Männer (Ri 11,3). Der Prophet Jesaja schildert, wie Gott sein Volk aus allen Nationen »sammeln« wird, um es in das verheißene Land zu führen (Jes 27,12). Das Verb kommt 34 Mal im Alten Testament vor, davon 12 Mal im Buch Ruth. Ruth beruft sich in ihrer Situation auf die zwischen Gott und Mose vereinbarten Abmachungen. Gott gebot den Israeliten, ihre Felder nicht vollständig abzuernten. Stattdessen sollten sie ein wenig Frucht stehen lassen, so dass die Armen und Fremden im Land das Nötigste zum Überleben einsammeln konnten (3Mo 19,9-10; 23,22).
Der Blutsverwandte als (Er)-Löser: Hebräisch ga´al – 2,1.20; 3,9.12-13; 4,1.3.6.14 – bedeutet »Blutsverwandter« und bezieht sich auf einen »nahe stehenden Verwandten«, der als Beschützer oder Garant des Familienrechts auftrat. Es gab verschiede Situationen, in denen man sich auf ihn berief:
1) um ein einst verkauftes Familiengrundstück wieder zu erwerben;
2) einen Erben für einen verstorbenen Bruder sichern, indem man seines Bruders Frau heiratete und ein Kind mit ihr zeugte;
3) einen durch Armut in die Sklaverei verkauften Familienangehörigen wieder zurückkaufen;
4) einen ermordeten Verwandten rächen, indem man seinen Mörder umbrachte. Die Schrift nennt Gott den Erlöser oder »nahen Verwandten« Israels (Jes 60,16), und Jesus den Erlöser aller Gläubigen (1Pt 1,18-19).

Häufig auftauchende Fragen
1. Was ist der »Blutsverwandte als (Er)-Löser«, der in der Geschichte um Ruth eine so zentrale Rolle spielt?
Als Boas mit einem anderen Verwandten über den Grundbesitz Naomis und ihres Mannes Elimelech verhandelte (4,1-12), verwies er auf ein von Mose eingeführtes Gesetz (5Mo 25,5-10). Dieses Gesetz legte genau fest, wie die Familienangehörigen eines verheirateten Sohnes, der kinderlos starb und folglich keinen Erben hatte, der seinen Namen weiterführen konnte, vorzugehen hätten. Ein anderer (wahrscheinlich nicht verheirateter) Mann dieser Familie sollte die hinterbliebene Witwe heiraten. Das erstgeborene Kind würde dann den Grundbesitz des verstorbenen Mannes erben. Boas’ Verwandter erklärte sich einverstanden, mit Naomi eine finanzielle
Übereinkunft hinsichtlich des Grundbesitzes zu treffen. Was ihm aber nicht klar war, war, dass da auch noch Ruth mit von der Partie war. Als Boas ihn darüber aufklärte, verzichtete er sofort auf sein Recht, den Grundbesitz zu beanspruchen. Somit stand der Heirat zwischen Boas und Ruth nichts mehr im Wege. Bei der Klärung solcher Situationen geht es vor allem um Integrität und Ehre.




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