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Gottes Mann in Manasse - Gideon

Herausgegeben von K. Zellweger in Richter Kp. 6 · 16/9/2010 20:27:59

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Garten. Und stellen Sie sich vor, Sie arbeiten den ganzen Frühling und Sommer hart daran, dass dieser Garten reichlich Frucht trägt. Aber jedes Jahr, gerade dann, wenn Sie sich zur Ernte aufmachen, fallen Ihre Nachbarn über Sie her und nehmen Ihnen Ihre Ernte mit Gewalt fort. Das geschieht Jahr für Jahr, und es gibt nichts, was Sie dagegen tun könnten. Wenn Sie sich dieses Szenario vorstellen können, dann haben Sie eine Ahnung von dem Elend, in das die Israeliten jedes Jahr gestürzt wurden, wenn die Midianiter ihre jährlichen Raubzüge unternahmen.
Zur Zeit der achten midianitischen Invasion berief Gott einen Bauern in Manasse mit Namen Gideon zum Befreier seines Volkes. Gideon begann seine Karriere als ein ziemlicher Feigling (Ri 6), wurde dann ein Überwinder (Ri 7,1–8,21) und beendete seine Laufbahn mit einem schlechten Kompromiss (Ri 8,22-35). Aber dennoch wird Gideon im Buch der Richter mehr Raum (100 Verse) gewidmet als jedem anderen Richter; und Gideon ist der Einzige von ihnen, dessen persönliche Glaubenskämpfe berichtet werden. Gideon ist eine große Ermutigung für alle, die Probleme haben, sich selbst anzunehmen, und die es schwierig finden zu glauben, dass Gott etwas aus ihnen machen oder sie zu etwas gebrauchen könnte. Aber ehe der Herr Gideon in seinen Dienst nehmen konnte, musste er sich mit vier Zweifeln befassen, die Gideon plagten und Hindernisse für seinen Glauben waren. Diese Zweifel können in vier Fragen Ausdruck finden.

1. »Sorgt sich der Herr wirklich um uns?« (Ri 6,1-13)
»Der Herr hat uns verlassen!«, erwiderte Gideon auf die Botschaft des Herrn an ihn (Ri 6,13; Luther’12). Und doch hatte der Herr Israel Beweise seiner persönlichen Fürsorge gegeben. Er hatte Israel gezüchtigt (Ri 6,1-6). »Die Zucht des Herrn, mein Sohn, verwirf nicht und lass dich nicht verdrießen seine Mahnung! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, den er gern hat« (Spr.3,11-12; siehe auch Hebr 12,5-11).
Charles Spurgeon sagte: »Der Herr erlaubt seinem Volk niemals, erfolgreich zu sündigen.« Gott ist kein »antiautoritärer Erzieher«, der seinen Kindern zu tun erlaubt, was sie wollen. Denn sein letztes Ziel ist, dass sie »dem Bild seines Sohnes gleichförmig werden « (Röm 8,29). Züchtigung ist ein Beweis für Gottes Hass auf die Sünde, aber auch für die Liebe zu seinem Volk. Wir können uns keinen heiligen Gott vorstellen, der seinen Kindern nicht sein Allerbestes geben will; und das Beste, das er uns geben kann, ist ein heiliger Charakter gleich dem seines Sohnes Jesus Christus. Gott spricht zu seinen Kindern – entweder durch die liebevolle Stimme der Heiligen Schrift oder durch die schwere Hand der Züchtigung. Wenn wir seine Stimme ignorieren, müssen wir seine Hand ertragen. Auf die eine oder die andere Weise wird er unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken und an uns handeln.
Wenn man bedenkt, was für eine Art Mann Gideon zu dieser Zeit war, fragt man sich, warum Gott gerade ihn auswählte. Aber Gott erwählt oftmals »das Schwache der Welt«, um zu seiner Verherrlichung große Dinge zu vollbringen (1Kor 1,26-29)
Gideons Familie verehrte Baal (Ri 6,25-32), obwohl wir keinen Grund haben anzunehmen, dass er sich daran beteiligte. Als Gideon sich selbst »der Letzte in meines Vaters Haus« nannte (Ri 6,15), könnte er damit auch angedeutet haben, dass ihn seine Familie wie einen Ausgestoßenen behandelte, weil er nicht mit ihnen Baal verehrte.4 Gideon war kein Mann starken Glaubens oder großen Mutes, und Gott musste geduldig an ihm arbeiten, um ihn auf die Führungsrolle vorzubereiten. Gott ist stets bereit, uns zu dem zu formen, was wir eigentlich sein sollten – wenn wir bereit sind, seinen Willen zu tun (Eph 2,10; Phil 2,12-13).

2. »Weiß Gott, was er tut?« (Ri 6,14-24)
Wenn Gott uns einen Auftrag gibt, dann gibt er auch die Kraft, ihn auszuführen. Hat Gott uns einmal berufen und beauftragt, dann ist alles, was wir tun müssen, ihm im Glauben zu gehorchen, und er wird das Übrige tun. Gott kann nicht lügen, und er macht nie einen Fehler. Glauben bedeutet, Gott zu gehorchen – ungeachtet all dessen, was wir sehen, was wir fühlen, oder welche Folgen zu erwarten sind. Unsere moderne, wissenschaftshörige Welt lacht über den Glauben, ohne dass sie sich im Klaren darüber ist, dass Menschen den ganzen Tag im Glauben verleben. »Wenn es keinen Glauben gäbe«, schrieb der Humorist John Billings vor nahezu einem Jahrhundert, »dann gäbe es auch kein Leben in dieser Welt. Wir könnten dann noch nicht einmal Gehacktes gefahrlos essen.«
A. W. Tozer schrieb: »Alle Taten Gottes geschehen in vollkommener Weisheit, in erster Linie zu seiner eigenen Verherrlichung und dann zum Allerbesten möglichst vieler Menschen über möglichst lange Zeit.« Wenn das wahr ist, wer sind wir, dass wir ihn in Zweifel ziehen?

3. »Wird sich Gott um mich kümmern?« (Ri 6,25-32)
Ehe Gott seinen Dienern große Siege in der Öffentlichkeit verleiht, bereitet er sie manchmal darauf vor, indem er ihnen zu Hause kleinere Siege schenkt. Ehe David angesichts zweier Heere den Riesen Goliat tötete, lernte er, Gott zu vertrauen – er tötete einen Löwen und einen Bären, als er die Schafe seines Vaters hütete, wo es außer Gott niemand sehen konnte (1Sam 17,32-37). Wenn wir unter Beweis stellen, dass wir in kleinen Dingen treu sind, wird uns Gott mit größeren Aufgaben betrauen (Mt 25,21).
Die zugewiesene Aufgabe war nicht einfach. Gott beauftragte ihn, den Altar Baals zu zerstören und stattdessen dem Herrn einen Altar zu errichten. Auf dem sollte er einen von seines Vaters wertvollen Ochsen als Opfer darbringen und mit dem Holz der Aschera das nötige Feuer machen. Israelitische Altäre wurden einfach aus rohen, unbehauenen Steinen aufgeschichtet, aber die Altäre Baals waren kunstvoll ausgearbeitet, und nahe bei ihnen gab es stets eine hölzerne Säule (»Aschera«, Ri 6,26), die der Göttin Astarte geweiht war, zu deren Verehrung unaussprechlich abscheuliche Handlungen gehörten. Da Baalsaltäre auf hoher Stätte errichtet wurden, würde es schwierig werden, den Auftrag Gottes unbemerkt auszuführen.
Es ist bemerkenswert, dass wahre Gläubige dem Herrn keinen Altar bauen können, ohne vorher die Altäre der Götzen niederzureißen, die sie einst verehrten. Unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott (2Mo 20,5) und wird weder seine Herrlichkeit noch unsere Liebe mit einem anderen teilen. Gideon hatte dem Herrn heimlich seinen eigenen Altar errichtet (Ri 6,24), aber jetzt musste er öffentlich Position beziehen, und er musste es ohne Kompromisse tun. Ehe er Midian den Krieg erklären konnte, musste er Baal den Krieg erklären.
Gideon lernte an diesem Tag eine kostbare Lektion: Wenn er dem Herrn gehorchte, und sei es auch mit furchtsamem Herzen, dann würde ihn der Herr beschützen und dafür die Ehre bekommen.


4. »Hält Gott seine Versprechen?« (Ri 6,33-40)
Für Gideon wurde es Zeit zum Handeln, und der Geist Gottes gab ihm die Weisheit und die Kraft, die er brauchte (siehe Ri 3,10; 11,29; 13,25; 14,6.19; 15,14). Wenn wir danach trachten, den Willen Gottes zu tun, dann lautet sein Wort an uns stets: »Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist« (Sach 4,6).

Als einst eine Gruppe britischer Pastoren darüber diskutierte, ob es zweckmäßig sei, den Evangelisten D. L. Moody zu einer Evangelisation in ihrer Stadt einzuladen, fragte einer von ihnen: »Warum muss es denn Moody sein? Hat denn D. L. Moody ein Monopol auf den Heiligen Geist?« Ruhig erwiderte ihm einer der anderen Pastoren: »Nein, aber es ist offensichtlich, dass der Heilige Geist ein Monopol auf D. L. Moody hat.«
»Ein Vlies auslegen« ist keine biblische Methode, um den Willen Gottes zu erfahren. Es ist vielmehr eine Methode aus dem Verhaltensrepertoire von Menschen wie Gideon, denen es an Glauben mangelt – am Glauben daran, dass Gott auch tut, was er gesagt hat. Zweimal erinnerte Gideon Gott an seinen Auftrag und seine Verheißung (Ri 6,36-37), und zweimal bat er Gott, seine Versprechen durch ein Wunder zu bestätigen. Die Tatsache, dass sich Gott zu Gideons Schwäche herabließ, beweist nur, dass er ein gnädiger Gott ist.
Für Gideon gab es nichts weiter zu tun, als dem Feind entgegenzutreten und für den Sieg Gott zu vertrauen. »Und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube« (1Jo 5,4).


Auszüge aus dem Buch  „Sei bereit“ Kommentar zum Buch Richter von Warren W. Wiersbe











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