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Das flackernde Licht - Simson

Herausgegeben von K. Zellweger in Richter Kp. 13+14 · 16/9/2010 21:29:08

»Ein Rätsel, eingehüllt in ein Geheimnis, verborgen im Dunkeln.« So könnte man Simsons leben betiteln.

Simson war unberechenbar und unzuverlässig, denn er war wankelmütig und unentschlossen, und »ein wankelmütiger Mann ist unbeständig in allen seinen Wegen« (Jak 1,8). Man hat richtig gesagt, die größte aller Fähigkeiten sei die Zuverlässigkeit, und bei Simson konnte man sich darauf verlassen, dass er unzuverlässig war.
Stark gegenüber Männern, war Simson schwach gegenüber Frauen und konnte nicht widerstehen, ihnen seine Geheimnisse zu verraten. Er war vom Heiligen Geist bevollmächtigt und gab seinen Leib doch den Lüsten des Fleisches hin. Er war berufen, den Philistern den Krieg zu erklären, und verbrüderte sich doch mit dem Feind; er versuchte sogar, eine Philisterin zu heiraten. Bei Tag schlug er die Schlachten des Herrn, und bei Nacht verstieß er gegen die Gebote des Herrn. Er trug den Namen Simson, was »sonnig« bedeutet, und endete in Finsternis – geblendet von demselben Feind, den er doch bezwingen sollte.
Vier Kapitel im Buch der Richter sind der Geschichte von Simson gewidmet. In Richter 13–14 werden wir mit dem »Sonnenschein« und seinen Eltern bekannt gemacht, und wir sehen sein Licht flackern, sobald er mit der Sünde spielt. In Richter 15–16 verlöscht das Licht, und Simson stirbt als Märtyrer unter den Trümmern eines heidnischen Tempels – trauriges Ende eines zunächst aussichtsreichen Lebens.

1. Das Kind mit den unglaublichen Verheißungen (Ri 13,1-23)
Wenn Gott etwas wirklich Großes tun will, dann sendet er keine Armee, sondern einen Engel. Häufig besucht der Engel ein Ehepaar und verheißt ihnen ein Kind. Dieser große Heilsplan begann, als er Abraham und Sara berief und ihnen Isaak schenkte. Als er Israel aus der ägyptischen Knechtschaft befreien wollte, schenkte Gott Amram und Jochebed das Kind Mose (2Mo 6,20), und als Israel viele Ja später verzweifelt einer Erweckung bedurfte, da schenkte Gott der Hanna den Samuel (1Sam 1). Als die Fülle der Zeiten erreicht war, gab Gott der Maria ihren Sohn Jesus, und dieses Kind wuchs auf, um für die Sünden der Welt am Kreuz zu sterben.
Säuglinge sind schwach und verletzlich, aber Gott gebraucht das Schwache dieser Welt, um die Mächtigen zu beschämen (1Kor 1,26-28).
Wir haben Grund zu glauben, dass der »Engel des Herrn«, der Manoachs Frau aufsuchte, Jesus Christus war, der Sohn Gottes (siehe 1Mo 22,1-18; 31,11-13; 2Mo 3,1-6; Ri 6,11-24). Wie Sara (1Mo 18,9-15), Hanna (1Sam 1) und Elisabeth (Lk 1,5-25) war auch Manoachs Frau unfruchtbar und hätte niemals erwartet, ein Kind zu bekommen. Da die Mutter sowohl vor als auch nach der Geburt den größten Einfluss auf das Kind haben würde, beauftragte sie der Engel eindringlich mit allem, was zu tun war.
Wie Johannes der Täufer sollte auch Simson vom Mutterleib an ein Nasiräer sein (Lk 1,13-15). Der Begriff Nasiräer kommt von einem hebräischen Wort, das »absondern, weihen« bedeutet. Nasiräer waren Menschen, die sich selbst für eine bestimmte Zeitspanne in besonderer Weise dem Herrn weihten. Sie enthielten sich des Weingenusses und alkoholischer Getränke; sie vermieden es, tote Körper zu berühren, und als äußeres Zeichen ihrer Weihe ließen sie ihr Haar lang wachsen. Die Regeln des Nasiräergelübdes finden wir in 5. Mose 16.
Üblicherweise wurde ein Nasiräergelübde für eine begrenzte Zeit abgelegt, aber in Simsons Fall sollte der Eid sein ganzes Leben lang währen (Ri 13,7). Das mussten Manoach und seine Frau ihrem Sohn beibringen, und sie würden ihm auch erklären müssen, warum sie ihm nicht die Haare schnitten. Gott hatte Ansprüche an dieses Kind, und es war die Pflicht der Eltern, Simson für das Werk auszubilden, zu dem er von Gott gesandt war.

2. Der Kämpfer mit der unbesiegbaren Kraft (Ri 13,24-25)
Wenn man länger über Simsons Lebensbericht nachdenkt, gewinnt man den Eindruck, er sei ein lustiger Kerl mit Sinn für Humor gewesen, der seine Gaben und seine Aufgabe manchmal nicht ganz ernst nahm. Sinn für Humor ist eine gute Sache, aber er muss im richtigen Verhältnis zur ernsten Hingabe an die Dinge des Herrn stehen. »Dienet dem  Herrn mit Furcht, und jauchzt mit Zittern« (Ps 2,11).
Simsons Kraft war eine Waffe, um damit zu kämpfen, und ein Werkzeug, um damit
aufzubauen – kein Spielzeug, um sich damit zu vergnügen.
Und noch eines: Simson war ein eigenbrötlerischer Einzelgänger. Anders als die vorhergehenden Richter scharte er nie ein Heer um sich und versuchte auch nie, Israel zu einen, um das Joch der Philister abzuwerfen. Zwanzig Jahre lang spielte er den Champion, aber er versäumte es, als Führer des Volkes zu handeln.

3. Der Mann mit dem unzuverlässigen Charakter (Ri 14,1-20)
Nach Hebräer 11,32 war Simson ein Mann des Glaubens, aber er war gewiss kein treuer Mann. Er war der Erziehung seiner Eltern untreu, und seinem Nasiräergelübde und den Geboten Gottes ebenso. Es dauerte nicht lange, und Simson hatte fast alles verloren, was ihm der Herr gegeben hatte, ausgenommen seine große Kraft, und am Ende verlor er auch die.

Er verlor den Respekt vor seinen Eltern (Ri 14,1-4).
Simson lebte im Schauen und nicht im Glauben. Er war eher von der »Lust der Augen« geleitet (1Jo 2,16) als vom Gesetz Gottes. Für Simson war es nicht so wichtig, dem Herrn zu gefallen, oder auch seinen Eltern – ihm kam es darauf an, dass er sich selbst gefiel (Ri 14,3.7; siehe auch 2Kor 5,14-15).

Er verlor seinen Nasiräerstatus (Ri 14,5-9).
Als Simson und seine Eltern nach Timna hinabgingen, um Vorbereitungen für die Hochzeit zu treffen, scheint Simson die Hauptstraße (und seine Eltern) verlassen zu
haben und auf einem Nebenweg in die Weinberge gegangen zu sein. Dort wurde er von einem Löwen angegriffen. Ein Weinberg war ein gefährlicher Ort für einen Mann, der nichts mit den Trauben und mit dem, was man aus ihnen machte, zu tun haben sollte (4Mo 6,1-4). Als Simson den Honig aus dem Löwenkadaver aß, hatte er sich an dem toten Körper verunreinigt, und auch dieser Teil des Nasiräergelübdes war gebrochen. Er hatte sich verunreinigt, als er in den Weinberg ging, und ein weiteres Mal, als er dem toten Löwenkörper den Honig entnahm und davon aß.

Er verlor die Herrschaft über seine Zunge (Ri 14,10-18).
Simsons Ruf war ihm vorausgeeilt, und man konnte niemals sicher sein, was er als Nächstes tun würde. Da die Atmosphäre beim Beginn des Festes wohl angespannt war, versuchte Simson, sie aufzulockern, indem er ein Rätsel zum Besten gab. Traurig zu sagen, dass er das Rätsel aus der Erfahrung seiner Sünde konstruierte! Er nahm die Tatsache überhaupt nicht ernst, dass er sein Nasiräergelübde verletzt hatte. Es ist schlimm genug, wenn man Gott nicht gehorcht. Wenn man dann aber auch noch einen Scherz daraus macht, dann ist man in neue Tiefen geistlicher Empfindungslosigkeit herabgesunken.
Simson weigerte sich beharrlich, sie ihr mitzuteilen, aber am siebten Tag bekam er Mitleid mit ihr und gab nach. Vielleicht hatte das etwas damit zu tun, dass die Ehe am siebten Tag vollzogen werden sollte. Zuerst verlockte ihn die Philisterfrau (Ri 14,1), dann drängte sie ihn (14,17) und dann betrog sie ihn (14,17). So geht die Welt stets mit dem kompromissbereiten Gläubigen um. Simson konnte Löwen töten und Fesseln zerreißen, aber der Macht der Tränen einer Frau konnte er nicht widerstehen.
Wer seine Zunge nicht beherrschen kann, beherrscht auch nicht seinen Leib (Jak 3,2), und in Simsons Fall waren die Folgen dieses Mangels an Disziplin katastrophal.

Simson verlor seine gute Laune (Ri 14,19-20).
Er ging dreißig Kilometer weit bis nach Aschkelon, damit die Nachricht von dem Massaker Timna nicht so bald erreichte. Sein Rätsel über den Löwen und den Honig hörte nun auf, ein Spaß zu sein, denn er führte zum Tod von dreißig Männern, deren Gewänder Simson an sich nahm. Er war so zornig, dass er nicht einmal mit seiner Frau die Ehe vollzog. Er ging vielmehr nach Zora zurück und blieb bei seinen Eltern.
»Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst; ich will dir raten, meine Augen über dir offenhalten. Seid nicht wie ein Ross, wie ein Maultier, ohne Verstand; mit Zaum und Zügel ist seine Kraft zu bändigen, sonst nahen sie dir nicht« (Ps 32,8-9).

Wenn wir im Glauben ins Antlitz des Herrn schauen, dann kann er uns mit seinen Augen leiten, in der Weise, wie Eltern ihre Kinder führen. Aber wenn wir ihm unseren Rücken zuwenden, dann muss er uns behandeln wie Tiere und uns anschirren. Simson stürmte entweder heftig voraus wie ein Pferd, oder er war störrisch wie ein Maultier und nicht vom Fleck zu bringen, und der Herr musste mit beidem umgehen.

Auszüge aus dem Buch  „Sei bereit“ Kommentar zum Buch Richter von Warren W. Wiersbe






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