Richter Kp. 1+2 - GvC Community - GvC St.Gallen

Suche
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Das Buch Richter: Es waren die schlimmsten Zeiten

Herausgegeben von K. Zellweger in Richter Kp. 1+2 · 15/9/2010 20:20:17

Das Buch der Richter ist ein göttlich inspirierter Bericht über Israels Sündenfälle und Gottes Treue. Wenn wir aber dieses Buch nur als ein Geschichtsbuch betrachten, werden wir der Botschaft, die es für uns enthält, ganz und gar nicht gerecht. Dieses Buch ist auch für Gläubige heute geschrieben.

Gott rettete sein Volk, indem er ihm Richter erweckte, die den Feind schlugen und Israel befreiten. Das mit »Richter« wiedergegebene hebräische Wort bedeutet »retten, bewahren«. Die Richter waren Befreier, die mit der Hilfe des Herrn große militärische Siege errangen. Aber die Richter waren auch Führer, die dazu beitrugen, dass das Volk seine Streitigkeiten untereinander beilegte (Ri 4,4-5).

Das Buch der Richter führt uns ein Israel vor Augen, das unter Invasionen leidet, unter Sklaverei, Armut und Bürgerkrieg. Was war geschehen?
Anstatt geistlichen Eifer an den Tag zu legen, versank Israel in Gleichgültigkeit; anstatt dem Herrn zu gehorchen, wandte sich das Volk im Abfall von ihm weg; anstatt Gesetz und Ordnung zu genießen,wurde das Land von Gesetzlosigkeit erfüllt. Für Israel waren es in der Tat die schlimmsten Zeiten.
Einer der Schlüsselverse im Buch der Richter ist Richter 21,25: »In jenen Tagen war kein König in Israel. Jeder tat, was recht war in seinen Augen«
(siehe 17,6; 18,1; 19,1).
In 5. Mose 6 werden die Grundpflichten des Volkes umrissen:
Liebt Jahwe und gehorcht ihm, dem einzig wahren Gott (Verse 1-5);
unterweist eure Kinder in den Geboten Gottes (Verse 6-9);
seid dankbar für Gottes Segnungen (Verse 10-15)
habt nichts mit der Verehrung der heidnischen Götter im Land Kanaan zu schaffen (Verse 16-25).

Leider versagte die neue Generation in der Erfüllung jeder dieser Pflichten. Das Volk Israel wollte nicht »zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit« trachten (Mt 6,33)
Die Menschen waren viel zu interessiert an dem Götzendienst der gottlosen Nationen, die um sie herum lebten. In der Folge stürzte Israel in die moralische, geistliche und politische Katastrophe.
Das Buch der Richter
ist die Chronik dieser Schande, und die ersten zwei Kapitel beschreiben vier Stufen in Israels Niedergang und Fall.

1. Kampf gegen den Feind (Ri 1,1-20.22-26)
Das Buch der Richter beginnt mit einer Reihe von Siegen und Niederlagen, die sich nach dem Tod Josuas ereigneten. Die Gebietsgrenzen der zwölf Stämme waren Jahre zuvor festgelegt worden (Jos 13–22), aber das Volk hatte sein Erbteil noch nicht vollständig in Besitz genommen und die ansässigen Bewohner des Landes noch nicht besiegt und vertrieben. Als Josua ein alter Mann war, sagte der Herr zu ihm: »Du bist alt geworden und bist hochbetagt, und sehr viel Land ist noch übrig, das in Besitz genommen werden muss« (Jos 13,1). Dem Volk Israel gehörte das ganze Land, aber sie hatten noch nicht von allem Besitz ergriffen, und deshalb konnten sie sich auch noch nicht an ihrem ganzen Eigentum erfreuen.

2. Verschonung des Feindes (Ri 1,21.27-36)
Die Priester besaßen eine Abschrift des 5. Buches Mose, und es war ihnen aufgetragen, in jedem Sabbatjahr während des Laubhüttenfestes öffentlich vor dem Volk daraus vorzulesen (5Mo 31,9-13). Wären sie ihrem Auftrag treu nachgekommen, dann hätten die geistlichen Führer 5. Mose 7 gelesen und die Israeliten ernstlich davor gewarnt, ihre
heidnischen Nachbarn zu verschonen. Die Priester hätten das Volk dann auch an Gottes Versprechen erinnert, dass er ihnen helfen werde, ihre Feinde zu überwinden (5Mo 31,1-8).
Der erste Schritt dieser neuen Generation hin zu Niederlage und Sklaverei bestand darin, dass sie das Wort Gottes vernachlässigte, und seitdem haben viele Generationen den gleichen Fehler begangen. »Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden« (2Tim 4,3-4).
Ich fürchte, dass heute allzu viele Gläubige versuchen, von religiösem Fastfood zu leben.

3. Nachahmung des Feindes (Ri 2,1-13)
Die Israeliten hatten sich schließlich so sehr an die sündige Lebensweise ihrer heidnischen Nachbarn gewöhnt, dass sie ihnen nicht mehr sündhaft erschien. Dann begannen sie, sich so intensiv dafür zu interessieren, wie ihre Nachbarn ihre Götter verehrten, bis sie schließlich anfingen, wie ihre Feinde zu leben und ihre Lebensweise nachzuahmen.
Für heutige Gläubige ist der erste Schritt weg von Gott »Freundschaft mit der Welt« (Jak 4,4), was dann zur Befleckung durch die Welt führt (Jak 1,27). Der nächste Schritt ist, die Welt zu lieben (1Jo 2,15) und Schritt für Schritt »dieser Welt gleichförmig« zu werden (Röm 12,2). Das kann dazu führen, »mit der Welt verurteilt« zu werden (1Kor 11,32) – jene Art Gericht, die über Lot (1Mo 19), über Simson (Ri 16) und über Saul (1Sam 15,31) kam.

4. Gehorsam gegenüber dem Feind (Ri 2,6-23)
Wie wichtig ist es für jede neue Generation, die großen Männer und Frauen anzuerkennen und zu würdigen, die zum Aufbau und zur Bewahrung ihres Volkes beitrugen! Es ist äußerst beunruhigend, wenn Historiker Geschichte umschreiben wollen und die Helden und Heldinnen der Vergangenheit »entlarven« und fast als Verbrecher abstempeln.
Sie wandten sich von dem weg, was der Herr gesagt hatte (Ri 2,11-13). Hätten sich die Israeliten an Josua erinnert, dann hätten sie seine »Abschiedsreden« gekannt, die er dem Volk Israel und seinen Führern gehalten hatte (Jos 23–24). Hätten sie diese Reden gekannt, dann wäre ihnen auch das Gesetz Moses bekannt gewesen, denn in seinen Abschiedsbotschaften hatte Josua den Bund hervorgehoben, den Gott mit Israel geschlossen hatte, und auch die Verantwortung Israels, ihn zu halten. Wenn man das Wort Gottes vergisst, steht man in der Gefahr, den Gott des Wortes zu vergessen. Das erklärt, warum sich Israel der nichtigen und sündhaften Verehrung des Baal zuwandte.

Auszüge aus dem Buch  „Sei bereit“ Kommentar zum Buch Richter von Warren W. Wiersbe








Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü