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Niederlage und Sieg im Leben des Hiob

Herausgegeben von Kurt Zellweger in Das Buch Hiob Kp. 1-42 · 17/1/2011 10:35:49

Hiob Teil 2                                               
Niederlage und Sieg im Leben des Hiob


Predigt von Kurt Zellweger vom  31. Aug. `08

Einleitung:  Wir beschäftigten uns im 1. Teil mit der Theodizee-Frage: Warum müssen Menschen Leiden? Warum lässt Gott das Böse in der Welt zu?

Drei Aspekte die wir betrachten:
Teil 1, Kp.   1 +  2 Der Tag, der alles veränderte - was tut Gott? – 1. Predigt, 24.8.
Teil 2, Kp.   3 - 37 Erfahrungen im Leid - wo ist Gott? – 2. Predigt
Teil 3, Kp. 38 - 42 Licht nach dunkler Nacht - so ist Gott! – 3. Predigt

Zitat: „Was ist Glück, was ist Unglück? Erst die Zeit teilt beides.“
Dietrich Bonhoeffer

In der Zeitung war zu lesen, dass ein Ehepaar den Abflug zu einer bekannten Ferieninsel verpasste.
Sie haben sich bestimmt schrecklich aufgeregt. Sich vielleicht in den Minuten danach gegenseitig Vorwürfe gemacht, weil der Eine zu lange im Badezimmer war oder der Andere noch etwas suchen musste. Oder weil jemand so langsam vor ihnen gefahren ist oder… Doch 20 Minunten später weicht der Ärger einer Mischung von Entsetzen, Schock, Erleichterung und Dankbarkeit. Denn ihr Flugzeug ist wenige Sekunden nach dem Start abgestürzt und die meisten Passagiere sind dabei umgekommen! Was zuerst als „Unglück“ erschien, erwies sich später als Glück und umgekehrt!
Weniger dramatische aber ähnliche Geschichten tragen sich auch in unserem Leben zu! Manchmal merken wir es, aber oft auch nicht. Da verpasse ich einen Termin, fahre einen falschen Weg, mache einen Fehler, der mich viel Zeit kostet, vergesse etwas… Doch wie oft werden die kleinen Unglücke zu Glücksfällen, weil ich dadurch auf etwas stosse, das ich sonst verpasst hätte? Oder werde bewahrt vor einem „grösseren Unglück“. Haben wir „Augen“ dafür?

Wenn wir nun auf das Leben des Hiob sehen, lernen wir einen Mann kennen, der grosse Glücks- und Unglücksmomente erlebte. Doch wenn Gott auch das Unliebsame, das Schreckliche und Unverständliche in seinem Leben zulässt, so lernen wir daraus, dass Unglück zum Segen werden kann. Wenn der Same des Unglücks auf „Glaubensboden“ fällt, wächst kein Unkraut, sondern nützliche Früchte und schöne Blumen! Wenn Leid und Schicksal zum Leben in einer von Sünde und dem Bösen geprägten Welt gehören, so müssen wir daran arbeiten, dass unser Herz und unser Glaube dafür aufnahmefähig sind: „Das Gute und das Böse anzunehmen!“ Hiob 2,10.

1) Hiobs „10 Gebote“ eines ehrlichen und Gott ergebenen Lebens
Die Kapitel 1 & 31 werfen einen Blick auf das Leben Hiobs. Wir müssen davon ausgehen, dass Hiob die 10 Gebote und somit die Schriften des Mose nicht kannte. Daher ist sein „Leben nach dem Gewissen“ umso erstaunlicher! Vgl. dazu Röm. Kp. 2.

1) Treue in der Ehe: 31,1-2;9-12
2) Gottesfürchtiges Familienleben: 1, 4-5
3) Ehrlichkeit: 31, 3-5; 33-34
4) Gute Behandlung seiner Diener: 31, 13-15
5) Ein Herz für Arme: 31, 16-19; 29,12-16

Jetzt verstehen wir besser, warum Gott stolz von Hiob redete.
Hi 1,8 Da sprach der HERR zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet!

1.1 Der „untadelige Lebensstil“ und eine „heimliche Angst“ im Leben des Hiob
Hiobs Leben wird durch Gott selbst als vorbildhaft bezeichnet. Seine Ethik und das Leben danach, waren ein leuchtendes Beispiel in der sichtbaren wie unsichtbaren Welt! Unser Leben hat 2 Dimensionen, eine irdische und eine himmlische. Schon darüber nachgedacht? Mein Leben findet gerade jetzt, im Himmel, Beachtung!

Hi 1,7 Da sprach der HERR zum Satan: Wo kommst du her? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf! -> Vgl. auch Lk. 22, 31-32.


Hi 3,25 Denn das Schreckliche, das ich befürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, das hat mich getroffen.


Wusste der Teufel um diese Schwachstelle und wurde sie zum Angriffspunkt in der Prüfung? Oder von Gottes Sicht her gesehen: Wollte Gott Hiob gerade im Schwachen prüfen, um seinen Glauben zu stärken?
Können wir vielleicht in dieser Aussage die Angst vor Umständen sehen, die wir meinen nicht tragen zu können?
Was könnte in meinem Leben geschehen, das meinen Glauben ins Wanken bringen würde? Ist es nicht Gottes Güte und Barmherzigkeit, dass er weiss, wo ich schwach bin und er mich bei weitem nicht so prüft wie Hiob?
Wir sehen aber auch, dass gerade treue, hingegeben Christen, grossen Kämpfen und Prüfen ausgesetzt sein können!

1.2 Hiobs Heilsgewissheit und „Warum-Fragen“ im Leid
Die Not, welche über dem Leben des Hiob zusammenbricht, fördert viele Fragen im Herzen dieses Mannes an die Oberfläche. Das Buch Hiob ist daher auch sehr lehrreich, weil es uns hilft, Menschen im Leiden besser zu verstehen.
Wir sehen an Hiob, wie sein Glaubensleben „geläutert“ wird. In einer Läuterung wird das Wertvolle, Echte, Reine vom Schmutz getrennt. In der Bibel kennen wir diesen Prozess als Vergleich für unser Leben.->Hiob 23,10; 36,21; Mal.3,3
Im Leiden begegnen wir einem „angreiffbaren“ Hiob. Er ist depressiv, verzweifelt, anklagend, genervt, ungeduldig … doch erstaunt das, angesichts seines körperlich- und seelisch-geistlichen Leidens?

Hi 3,11 Warum starb ich nicht gleich bei der Geburt, kam nicht um, sobald ich aus dem Mutterschoß hervorging?
Hi 3,20 Warum läßt Er Lebensmüde noch das Licht sehen und gibt Leben den Verbitterten?
Hi 7,20b Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe  gemacht, so daß ich mir selbst zur Last bin?


Hiob erlebte in seinem Leiden Depressionen, die ihn am Leben beinahe verzweifeln liessen. Diese „Gefühlszustände“, die scheinbar die ganze Glaubenshoffnung und Glaubenserfahrungen wie vergessen machen, sind grosse und unbegreifliche Umstände. Bei Hiob sehen wir, dass diese Teil seiner Prüfung ist. Das kann aber nicht generell bei Depressionen gesagt werden. Hier ein Buchtipp: „Standhaft im Leiden“, John Piper, CLV. Darin beschreibt der Autor unter anderem das Leben von William Cowper. Er war in derselbe Gemeinde wir John Newton. Cowper schrieb Bücher, Gedichte und Lieder. In dieser Kurzbiographie wird sein Kampf mit den Depressionen, wie er durch Höhen und Tiefen ging, beschrieben.  

Hi 7,21 Warum vergibst  du meine Übertretung nicht und erläßt mir nicht meine Schuld?
Hi 13,24 Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind?


Hiob macht aber auch Aussagen, die seinen ungebrochenen Glauben und seine lebendige Hoffnung zeigen!

Hi 19,25 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben.
Hi 19,26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los,  Gott schauen;  
Hi 19,27 Ja, ich selbst werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne ihm fremd zu sein.


Wie reagiere ich, wenn ein Gläubiger mit solchen Warum-Fragen zu kämpfen hat? Am Ende des Buches lesen wir nicht, dass Gott Hiob deswegen anklagt! Daher sollen wir uns hüten, Menschen in solcher Not, wenn sie (ver)zweifeln, ihnen durch Belehrungen helfen zu wollen, wie das Hiobs Feunde taten.

2) Hiobs Freunde – wenn Hilfe nicht ankommt
Bestimmt meinen sie es gut mit ihrem Freund Hiob. Dass sie ihn besuchen, wenn alle anderen Hiob meiden, spricht für sie. Auch ist ihre Zurückhaltung, als sie eine ganze Woche bei ihm schweigend verharren, ein Zeichen ihrer Wertschätzung und Zuneigung.
Doch das Gespräch, welches sich dann über mehrere Kapitel entwickelt, ist ein Lehrstück, wie Seelsorge nicht hilft.  Folgenden Aussagen Hiobs können uns eine Hilfe sein, Notleidenden recht zu begegnen:

Hi 6,14 Dem Verzagten gebürt Mitleid von seinem Freund, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.
Hi 6,25 Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit! Aber was bringen eure Zurechtweisungen schon zurecht?
 

Wie aus Hiob 19,3 zu entnehmen ist, war die „Hilfe“ der Freunde Hiobs eher eine Erschwerung für Hiobs Situation als eine Erleichterung. Falsche Hilfe kann schädlich sein! Daher hüten wir uns, mit klugen Ratschlägen helfen zu wollen. Lassen wir uns aber auch nicht entmutigen. Wir müssen Menschen nicht aus der Not helfen, sie brauchen „nur“ jemanden, der ihnen hilft durch die Not zu gehen und an Gott zu bleiben.

Gott tadelt die Freude Hiobs, dass sie nicht richtig über ihn gesprochen haben. Worin bestanden ihre falschen Aussagen über Gott?
1) Beispiel Elifas, er war Wortführer der Drei: Vgl. Hiob 5. 18; 5,7; 15,15; 22,3; 22,21. So hart wie Elifas Gott sah, so hart war seine Art gegenüber Hiob. Gott ist nicht so wie Elifas es beschreibt -> Vgl. Jak. 5, 11

2) Sie sagten aber auch viele richtige Dinge, die aber nichts mit Hiobs Situation zu tun hatten.
Wahrheiten im falschen Zusammenhang und in der falschen Situation sind kein Trost und Ermutigung. -> Vgl. Hiob 8, 6+7; 11,17-19

3) Jesus geht mit uns durch die „dunklen Stunden des Lebens“.
Hebr 2,14 Da nun die Kinder an Fleisch und Blut Anteil haben, ist er gleichermaßen dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel, Hebr 2,15 und alle diejenigen befreite, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden.
Hebr 2,17 Daher mußte er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen;
Hebr 2,18 denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.


Schluss: Wir haben einen Führer und Herrn, der durch das Leiden, durch mein Leiden hindurchgegangen ist. Jesus sind die Gedanken, Gefühle, Kämpfe und Zweifel in diesen dunklen Zeiten nicht unbekannt. Er hat sie selber durchlebt! Jesus wartet auf mich auf dem Weg des Leidens! ER möge es jedem von uns schenken, ihn zu sehen, und das Geheimnis seiner Gegenwart im Leiden, als Trost und Kraft zu erfahren. Und wenn eine dunkle Zeit auf eines von uns wartet, dann lasst uns nie vergessen:   
Was ist Glück, was ist Unglück? Erst die Zeit teilt beides.      
      




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